
Treasury und Wechselkurs-Hedging:
Es spielt eine geringe Rolle, ob Hedging für Wechselkurse, Flugbenzin oder andere Commodities eingesetzt wird. Wo immer bestimmte Waren oder Devisen zu einem bestimmten Termin in bestimmter Menge benötigt werden, kann Hedging sinnvoll sein.
Bei Devisen ist dabei das Gefühl für den Umfang des Hedgings wichtig, ebenso wie das Timing und eine Optimierung der Transaktionskosten. In dieser Welt fühle ich mich seit vielen Jahren zuhause und beschreibe weiter unten einige meiner größten Hedging-Herausforderungen, die ich zudem im teilweise 7-stelligen Bereich auf eigene Rechnung durchführte.
Mit einem eigenen Wechselkursrisiko im Rahmen meiner Geschäfte von typischerweise drei Monaten haben derartige Kursbewegungen einen enormen Einfluss. Diese Veränderung war eine der extremsten in kürzester Zeit, die ich je erlebt habe. Wie kann man sich davor schützen und wie habe ich mich geschützt?
Zugegeben: Ich war damals noch recht unbedarft im Treasury, zumal die Volatilität zwischen USD und EUR vor 2008 sehr gering war und Hedging zum Dollar daher eine eher untergeordnete Rolle spielte. Ich kannte viele Geschäftsleute aus der gleichen und anderen Branchen die eine Einstellung von "die Zeit wird's schon ausgleichen" vertraten. Seit dem Erleben solcher Ausschläge sind diese Zeiten jedoch vorbei.
In diesem konkreten Fall war der Stand von 1,60 verdächtig hoch - aufgrund der Zeit im Jahr waren die Volumina jedoch niedrig. So hatte ich einen Teil über Devisentermingeschäfte abgesichert, einen anderen Teil nicht. Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass dies ein gutes Geschäft war, jedoch kann ich nachträglich sagen, dass ich entsetzlich viel in Bezug auf Alarmzeichen gelernt habe und sich seitdem meine permanente "Awareness" zu den Devisenkursen gründlich verändert hat.
Bewusstsein ist alles: Das Bewusstsein, dass wenn in der Zeitung immer wieder "Griechenland" steht, dass nicht unbedingt der EUR gemeint ist, sondern dass es möglicherweise um einen angemessen ausgewogenen Stand zwischen USD und EUR geht, um die Geschäfte der Währungsräume nicht zu gefährden. Dass wenn der EUR erwähnt wird möglicherweise der USD gemeint ist - und dass bei Devisen immer eine andere Währung reagieren kann, als die jeweils im Fokus stehende. Eigentlich habe ich gelernt, dass nichts so wenig vorherzusagen ist wie die zukünftige Wechselkursentwicklung. Sie scheint vollständig dem "Random Walk" zu folgen, dürfte aber von übergeordneter Hand gesteuert sein - was ganz sicher wenig mit der Kaufkraftparität auf zwei Seiten zusammenhängt.
Meine "Awareness" hat mir bereits gezeigt, dass jegliches Argument in der Interpretation eines Wechselkursverlaufes genutzt wird, um zu erklären, warum der Kurs nun in die eine Richtung geht oder in die andere. Auch gegensätzliche Erklärungen sind nicht schade genug, um sie nicht an aufeinanderfolgenden Tagen als Argumentationshilfe zu nutzen.
Wie hedge ich?
In fremden Unternehmen in jedem Fall gemäß Absprache mit Eigentümern/Geschäftsführung/Stakeholdern. Nach eigenem Ermessen verantwortungsbewusst mit einer Mischung aus Sicherheit und Gefühl.
Sicherheit geht dabei soweit, dass in den zu sichernden Währungspaaren eine bestimmte definierte Quote gesichert sein muss, um die Existenz des Unternehmens nicht zu gefährden. Die Rolle des Gefühls ist dabei ein bisschen vergleichbar mit der Rolle des Kapitäns eines Segelbootes: Wenn die See ruhig ist dürfen sich alle ein bisschen entspannen und alle Segel sind komplett in den Wind gehängt. Doch wenn die See rauher wird, und plötzlich unerklärliche Wellenkräuselungen auf der See erscheinen, die auf einen plötzlichen Sturm hindeuten, dann müssen die Segel gerefft werden, erst ein bisschen, dann eventuell stärker.
Der Vergleich mit dem Segeln auf hoher See erscheint mir dabei sehr passend, weil nur ein erfahrener Segler die Anzeichen auf See und am Himmel richtig deuten oder zumindest überhaupt als Gefahr erkennen kann.
Gleiches gilt für den Treasurer der Wechselkurse. Mit permanent gerefften Segeln ist man zwar sicherer unterwegs, doch man kommt nicht voran. Sämtliche Währungsbestände permanent gesichert zu haben entspricht den gerefften Segeln und kostet sehr viel Geld. Die Wahrheit liegt für mich irgendwo dazwischen - ein Mix aus Quote und Gefühl macht für mich den perfekten Hedge!